Geschichte

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80 Jahre Fasnachtsgesellschaft Bad Ragaz

Wie alles begann..

Die Geschichte der Fasnachtsgesellschaft Bad Ragaz ist eine Geschichte, die kaum in Worte zu fassen ist und die so interessant ist, wie das Thema Fasnacht schon als solches schon immer war. Wie können sich Menschen, die das ganze Jahr verantwortungsbewusst ihren Familien und ihren Berufen widmen für die kurze Zeit der Fasnacht in närrische Kostüme werfen, ausgelassen feiern und so manches, das den Jahresverlauf unserer Region geprägt hat, in selber gebauten Wagen an Umzügen oder in Schnitzelbänken einer festbereiten Gemeinschaft vor Augen führen und sich in diesen närrischen Tagen genüsslich darüber freuen können?
Ja, das gibt es in unserem Sarganserland in hohem Masse. Schon vor vielen Jahren haben sich solche Narren auch in Bad Ragaz zusammengefunden und beschlossen, diese Tradition am Leben zu erhalten. Leider ist in solch turbulenten Zeiten nicht immer alles lupenrein dokumentiert und wenn man sich durch das Archiv durcharbeitet, ist unschwer feststellbar, dass viele Lücken vorhanden sind, weil wegen der Kurzlebigkeit der Fasnacht nicht alles, was geschehen ist, sauber abgelegt worden ist.
So ist es nicht leicht, eine authentische und objektive Geschichtsbeschreibung dieses segenreichen Vereines zu verfassen.
Gegründet wurde die Fasnachtsgesellschaft 1938. die Gründer wollten dafür sorgen, dass im Dorf etwas läuft und der Fortbestand der Fasnacht gewährleistet wird. Über die ersten Jahre ist allerdings im Archiv nicht viel zu finden.
Bis in die 70-er Jahre war der Schützenverein auf jeden Fall ein sehr initiativer Mitträger des Umzuges. Die Schützen waren immer mit Wagen dabei und aus den Erzählungen sticht sozusagen der ehemalige Postbote Hermann Triet heraus, der für seine Schnitzelbänke und seine träfen Sprüche bekannt war. Manchem Mitbürger wurde so während der Fasnacht seine kleineren oder grösseren Aktivitäten während des Jahres von Hermann wieder in den Sinn gelegt. Ob zu dessen Freude oder Ärger steht nicht allerdings nirgends geschrieben.
Anfangs der Siebziger Jahre war in Bad Ragaz allerdings fasnächtlich gesehen eher eine magere Zeit, gab es denn damals eigentlich nur noch den Kinderumzug. So konnte es nicht weitergehen.
An der Hauptversammlung von 1974 traten dann gleich 40 Neumitglieder der Fasnachtsgesellschaft bei, die etwas verändern wollten und mit Eugen Häusler wurde dann gerade einer der ihren als neuer Präsident gewählt. Es begann damit eine sehr aktive Ära in der Geschichte dieses Vereins.
An den Umzügen wurden wieder Wagenbauer aktiv, deren Wagenchefs in der Fasnachtsgesellschaft rekrutiert wurden, es wurde versucht, wieder das ganze Dorf aktiv miteinzubeziehen. Ganz viele Ragazer haben in den folgenden Jahren ihre ganze Kraft investiert um die Fasnacht wieder hochzubringen. An den drei Schmutzigen Donnerstagen wurden in allen Lokalen getanzt und gefestet und die damaligen Wirte scheuten sich nicht, ihre Lokale entsprechend auf Vordermann zu bringen. Man staune in der heutigen Zeit über die lange Liste der Angebote: Hotel Lattmann, St. Gallerhof, Löwen, Central, Rössli, Ochsen, Traube, Derby, Kreuz, Ascot, Wilder Mann, Quelle, Adler, Türmli, Tenniscenter.
Alle diese Lokale trugen damals dazu bei, dass die Fasnacht in Bad Ragaz erste Sahne war und speziell an den ersten beiden Schmutzigen Donnerstagen strömten aus der ganzen Umgebung viele fremde Butzi nach Bad Ragaz. Das ganze wurde mit dem Fasnachtschiessen, welches von den Schützen initiiert worden war und dem Umzug am Montag abgerundet. Die Gesellschaft hatte es zusammen mit dem Schützen geschafft, die Fasnacht wieder in das recht Licht zu rücken. Sozusagen als Randerscheinung kam auch über die finanzielle Situation wieder etwas Morgenröte und ab 1976 begann die Gesellschaft jährlich damit, einen Jahresausflug durchzuführen, zuerst zögerlich und dann später auch in grösserem Ausmass. So wechseln sich heute der eintägige Ausflug im einen Jahr mit dem zweitägigen im Folgejahr ab. War der erste noch mit dem alten Kutscher Josef Widrig "Serri" zum Gigerwald hinaufgegangen, so kamen später etwas weiträumigere dazu, beispielsweise ins Roseggtal, ins Berner Oberland, in die Innerschweiz auf den Pilatus (im Jubiläumsjahr).
Ebenfalls 1976 begann man damit eigene Plaketten zu basteln. Urgestein aller Plaketten sind die Holzmasken, die Erwin Wehle, damals Aktuar der Fasnachtsgesellschaft, selber schnitzte, 500 an der Zahl. Diese gelten noch heute unter Sammlern als Raritäten und gingen damals weg wie frische Weggli, oder noch schneller. Jedes Jahr wurden nun selber Plaketten gebastelt und den vom Fasnachtsfieber angesteckten verkauft. Im Jubiläumsjahr 75 wurde ausnahmsweise eine weisse Kravatte mit dem Signet des Vereins gedruckt.
Ebenfalls zu dieser Zeit entstand der Wasserkopf, nicht direkt unter der Ägidie der Gesellschaft, weil man befürchtete, dass man dann für zu scharfe Sprüche vielleicht zur Rechenschaft gezogen würde und mit dem Vereinsvermögen haften müsste. Also machte sich Göpfi Triet, Erwin Wehle und Geni Häusler selber ans Werk und sie sorgten mit ihrem "Wasserkopf" für Gelächter, Gespött und wohl auch manchmal für heisse Köpfe. Nachfolger waren dann Hepi Tinner und Werner Häusler, alles wohlverdiente Mitglieder der Fasnachtsgesellschaft und aktive Vorstandsmitglieder. Da eben alles sehr viel Arbeit gibt und viele aktive Fasnächtler in der kurzen Fasnachtszeit ohne Schonung von Leib und Leben überall mithelfen müssen, konnte keine Nachfolge gefunden werden und so liegt die Zeitung im Moment auf Eis. Doch der Kopf wird auch in Ragaz nicht in den Sand gesteckt. Im Gegenteil:
In den letzten Jahren sind mehr als zwanzig neue Mitglieder aufgenommen worden.
Jedes Jahr treten neue Fasnächtler aus allen Altersgruppen unserem Verein bei, um sich aktiv zu beteiligen, dies wiederspiegelt sich natürlich dann auch in der Fasnachtszeit; der Aufschwung ist klar spürbar.